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Wettbewerb Thomas-Wimmer-Ring

Beschränkter Realisierungswettbewerb

Der neue Stadtgarten

Verkehrsinfrastrukturbauwerke werden in Ihrer Erscheinung von Anwohnern meist negativ konnotiert. Auch wenn deren Notwendigkeit noch Akzeptanz findet, werden die visuellen und immissionstechnischen Auswirkungen auf das Umfeld immer beklagt, und häufig bekämpft. Ist ein solches Bauwerk in einen Stadtbaukörper zu integrieren, ist mit äußerster Behutsamkeit vorzugehen. Im besten Falle lässt sich mit der Verlegung der Infrastruktur unter die Erde auf der Oberfläche ein neuer Freiraum für die Stadt erzeugen. So generiert die Anlage einer Tiefgarage unter dem Thomas-Wimmer-Ring, zwischen Isartorplatz und Maximilianstraße, einen neuen öffentlichen Freiraum mit dem Potential für reichen Baumbestand, vielfältig bepflanzten Grüninseln und interessanten Spazierwegen. Unter der grünen Oberfläche finden später auf drei Ebenen bis zu 530 Fahrzeuge Platz. Nach dem Bau wandelt sich das bisherige Straßenbegleitgrün zu einem üppigen Stadtgarten. 

Die Ein- und Ausfahrten der Tiefgarage werden zum skulpturalen Element des Freiraums und zum Erkennungszeichen des Gartens. Zugleich wird darauf geachtet, die Sichtachsen in Richtung Maximilianstraße und Isartor zu bewahren. Daher wird bewusst auf Bauwerke im Umfeld des begrünten Mittelstreifens verzichtet. Das Gesamtkonzept prägen die geschwungenen Rampenbauwerke der Tiefgarage, deren Architektur eine skulpturale Antwort auf die Anforderung der Einhausungspflicht formuliert. Sowohl aus Fußgänger-, als auch aus Autofahrersicht stellen die sanft geschwungenen Bauwerke, die mit hellem Ziegelmauerwerk gestaltet sind, eine Reminiszenz an den Standort nahe des einstigen Burgfriedens dar. Mit begrünten Dächern sind die Einhausungen Teil des Stadtgartens und in der Durchfahrung für den Mobilisten spannendes Moment am Altstadtring. Die Garage, mit dieser signifikanten Architektur, ist tags und nachts gut auffindbar – Parksuchverkehr wird dadurch minimiert – und sie ist für Nutzer aus allen Richtungen bestens erreichbar. Oberirdisch genießen Fußgänger und Radfahrer jeweils eigene Bereiche, die auf ihre jeweiligen Mobilitätsansprüche zugeschnitten sind. 

Im Vergleich zum derzeitigen Bestand ist die neu erlebbare Freifläche an dieser Stelle um mehr als 20 Prozent vergrößert. Durch das Angebot zahlreicher Sitzgelegenheiten entstehen Oasen mit hoher Aufenthaltsqualität. Der östliche Radweg führt – vom Autoverkehr getrennt – auf sandfarbigem Asphalt unter dem Baumdach durch den neu angelegten Stadtgarten. Sowohl die Rad- als auch die Fußwegebeziehungen beidseits entlang des Thomas-Wimmer-Rings werden von dem TG-Verkehr nicht gequert. Den Fußgängern steht es frei, aus mehreren Verbindungen ihren individuellen Weg durch den Stadtgarten auszuwählen. Neben der asphaltierten Hauptroute laden verzweigte Wegeverbindungen mit einer wassergebundenen Oberfläche zum Spazieren ein. Die Knöbelstraße fügt sich als entschleunigte, verkehrsberuhigte Straße in das Konzept ganz selbstverständlich ein. Sie erfüllt weiterhin ihre Erschließungsfunktion auch für die Feuerwehr. Oberirdisch werden hier, wie gefordert, 37 Stellplätze angeboten. Sie sind mit Rasenpflaster ausgestattet. Durch die Wegeverbindungen, Grünflächen und Sitzgelegenheiten wird auch der Platz vor dem Maxforum für die  Geschäfte und Cafés aufgewertet. Oberirdisch verbleiben die drei Busstellplätze am bisherigen Standort in Längsaufstellung. Wird ein Platz vorne frei, rücken die anderen Busse nach. Das Entwurfskonzept lässt grundsätzlich als Option für die Zukunft einen Rückbau des Thomas-Wimmer-Rings auf vier Fahrspuren zu, um die Grünflächen noch weiter zu vergrößern. 
 

Zu- und Ausgänge

An den vier Ecken der Tiefgarage führen die Haupttreppen mit gläsernen Lifthäuschen an die Oberfläche, die beiden erforderlichen Nottreppen sind den Rampen zugeordnet. Drei Zugänge sind in das Grün eingebunden, der nordwestliche führt direkt in die Hildegardstraße bzw. oberirdisch direkt zur Maximilianstraße. So kann jeder Tiefgaragennutzer sein Ziel auf dem kürzesten Weg erreichen. Als Material herrschen vertikal Glas, ergänzt um CNC-gelasert  Stahlteile und horizontal (Flachdach) schallabsorbierende Materialien mit Dacheingrünung vor. Die Sockelbereiche aller Treppenaufgänge und Tiefgaragenrampen und die Lifthäuschen sind, analog zu den Rampenbauwerken, mit hellem Ziegel verblendet. Die Lifthäuschen selbst verfügen über eine gläserne Einhausung die durch Stahleinfassungen strukturiert werden. Die CNC-gelaserten Stahlteile zeigen eine florale Ornamentik die von der Struktur der Baumrinden inspiriert ist. 
 

Fußwegunterführung

Der querende Fußgängerverkehr erhält eine neue helle und barrierefreie Unterführung im Süden der Tiefgarage als unterirdische Wegeverbindung zwischen Lehel (Kanalstraße) und Altstadt (Stollbergstraße). Möglichst hohe Transparenz war bei der Gestaltung des Fußgängertunnels, der frei schwebend durch das Tiefgaragenbauwerk führt, angestrebtes Ziel. Durch verglaste Wände ist der Blick in die erste Parkebene möglich. Die lichte Gestaltung der barrierefreien Unterführung verstärkt die Transparenz sowohl im Parkdeck als auch in der Unterführung. Der Effekt ist neben mehr Helligkeit vor allem ein noch größeres Sicherheitsgefühl.
 

Vegetationskonzept

Der neue Stadtgarten zeichnet sich durch ein auf die Standortbedingungen abgestimmtes Konzept zur Bepflanzung aus, dass die im Jahresverlauf wechselnden, zahlreichen Aspekte von unterschiedlichen Blütenfarben und -formen, Blattstrukturen und -texturen erlebbar macht und somit den jahreszeitlichen Rhythmus aus Wachsen, Blühen und Vergehen hautnah miterleben lässt, sich dabei aber gleichzeitig durch seine Pflegeextensivität und Robustheit für den öffentlichen Raum hervorragend eignet. Die dynamische Entwicklung der Pflanzungen und ihre Ausrichtung auf Langlebigkeit sind dabei genauso Bestandteil des Konzepts wie die Verwendung einer Kombination langjährig erprobter, standortgeeigneter Pflanzenarten. Die Bepflanzung setzt sich aus zwei Ebenen zusammen, einer Staudenmischpflanzung zur Begrünung der Pflanzinseln auf Bodenniveau, teilweise überstanden von einem lichten Baumdach. Eingebettet in eine Grundstruktur aus langlebigen Ziergräsern machen Zwiebelblumen wie Krokusse, Narzissen und Zierlauche den Auftakt im Frühjahr, ausdauernde Stauden wie Taglilien, Storchenschnäbel, Sonnenhüte, Mädchenaugen und Präriekerzen setzen den Blütenreigen bis in den Herbst fort. Die wechselnden Aspekte der Gräser, vom Austrieb des frischen Grüns im Frühjahr bis zur Herbstfärbung in einem breiten Spektrum von Gelb-, Rot und Brauntönen begleiten und betonen die wechselnden Blüteaspekte. Mittelgroße Bäume, wie beispielsweise und weißen Tokyokirschen (Prunus yedoensis), die den Dimensionen des kleinen Parks angemessen sind und sich im Straßenbaumtest der Gartenamtsleiterkonferenz als geeignet für innerstädtische Standorte und Klimate erwiesen haben, werden locker über den Stadtgarten verteilt und kreieren ein lichtes Baumdach. Sie ergänzen die Unterpflanzung mit zusätzlichen Farbaspekten durch ihre Blüten und Herbstfärbung und spenden im Sommer angenehmen Schatten.

  • Ort:

    München

  • Auslober:

    Wöhr + Bauer Projekt HTW GmbH & Co. KG, München

  • Architekten:

    Hild und K, München

  • Zeitraum:

    2013-14

  • Platzierung:

    2. Preis

  • Bearbeitung:

    Regine Keller, Diana Huß, Dihang Lin

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