00-keyvisual.jpg

Hochäckerstraße München

Städtebaulicher und landschaftsplanerischer Wettbewerb

Ausgangslage

Das Projekt liegt in einer Zone von München, die nur wenige verbindende Regeln, nur wenige städtebauliche Ankerpunkte vermittelt: Die Autobahn sicher, der alte Dorfkern auch und dann die teils ambitionierten Großstrukturen, welche aber etwas selbstbezogen nebeneinander liegen wie Schiffe im Hafen.
Deshalb haben wir uns entschieden, nicht eine große Form als Antwort auf den Ort zu suchen, sondern eine Struktur, ein Gewebe gewissermaßen.

Das Konzept

Das Gewebe soll in jede Richtung offen zugänglich sein und auch über eine innere Luftigkeit und Leichtigkeit verfügen, welche die niedrigen Häuser in eine enge Beziehung zur Erde und zum Grün setzt.

Für die Form des Gewebes wollten wir eine Form finden, deren Rapport einen Wechsel zwischen großen und kleinen Hofräumen schafft, welches aber vor allen Dingen an jeder Stelle durch seinen Zuschnitt deutlich macht, dass der erlebte Raum Bestandteil eines sehr weiten, großen Musters ist, dass sich über das gesamte Areal erstreckt. Das Gelände darunter wird eine wechselnde Modulation aufweisen, durch welche die Räume strukturiert werden. Diese Modulation hat Ihren Ausgangspunkt in einer Hügellandschaft auf der Autobahnseite, welche den Lärm zurück binden wird. Die Struktur der Gebäude liegt nun auf dieser bewegten Oberfläche wie ein lose hindrapiertes Stück Stoff.

Das kontinuierliche Gewebe ist nun seinerseits unterbrochen, um die Stücke für die notwendigen Etappen herzustellen. Diese Gebäude sind über die geschwungene Geometrie räumlich in die Gesamtfigur eingebunden aber sie sind rechtlich und funktional selbständig. Nur zwei sichelförmige Zufahrtsstrassen (Parkways) erschließen alle Parkgaragen, dazwischen entwickelt sich ein freies Wege- und Platzsystem zur Erschließung der Wohnungen. Alle Außenräume, welche die Höfe bilden, basieren auf dem gleichen Linsensystem, welches das Ergebnis der überkreuzten Gebäudelinien darstellt. Allerdings teilen sie sich von der Bedeutung in zwei unterschiedliche Räume auf: Die fünf zentralen Linsen sind Teil eines kontinuierlichen öffentlichen Parksystems, während die seitlichen kleineren Linsen halbprivat sind. Überall aber sind im Süden Vorgärten möglich.

Landschaftliche Einbettung

Ausgehend von der vorhandenen kulturlandschaftlichen Prägung des Areals, der Ost-West ausgerichteten parallelen Parzellenteilung der landwirtschaftlichen Felder, wird für die neue Landschaft die mittelalterliche Kulturtechnik des Hochackers aufgenommen und landschaftsarchitektonisch weiterinterpretiert.
Die Hochäcker mit ihren uhrglasartigen Wölbungen, einst durch Aufhäufeln des in der Schotterebene spärlichen Oberbodens mit einer einzigen Pflugrichtung entstanden, stehen Pate für die neue Topographie des Ortes.
Der nötige Lärmschutz an der Autobahn wird zum Auftakt der Modellierungen. Dort wird über den üblichen ingenieurbautechnischen Regelquerschnitt einer Lärmschutzböschung hinaus ein interessanter und auf der Lärmabseite nutzbarer Freiraum entworfen, dessen fingerartige Höhenverläufe sich mit der neuen Bebauung verwebt. Die neue Lärmschutzlandschaft ist an der Autobahn von beiden Seiten gesehen attraktiv. Sie kaschiert nicht sondern charakterisiert die Thematik mit einem eindeutigen Landschaftsbild und einem tatsächlich nutzbaren Freiraum. Dieser öffentliche Raum durchströmt die zellenartige Baustruktur besonders im Zentrum mit weiten und großzügigen Wiesenflächen.

Die wohnungsnahen privaten und halböffentlichen Freiräume füllen die Zellenstruktur der Gebäude mit unterschiedlichen Themen. Die abgeschlossenen Höfe sind rein privat und jeweils von einem großen Hofbaum geprägt. Die Freiräume entlang der Reihenhaus-Bebauungen haben auf der Südseite vorgelagerte private Gärten und halböffentliche Erschließungshöfe wo gemeinsamer Aufenthalt und Spiel möglich ist. Die großen öffentlichen Freiflächen sind von offenen Wiesenflächen geprägt, die durch großzügigen Baumgruppen beschattet werden. Hier kann man Lagern, Bolzen, Rennen, und Radfahren. Die Wiesen sind in stark beutzten Bereich häufig in abseitigeren Lagen nur 2 jährig gemäht und bilden so unterschiedliche Bewegungsräume ab. Die großen Gehölzgruppen sind eine Mischung aus Birken, Ahorn und Linden, die mit ihrem unterschiedlich zartgrünen Blattaustrieb und dem gemeinsamen goldgelben Herbstaspekt den gesamten Freiraum eindrücklich prägen.

In den privaten Innenhöfen stehen langsam wachsende goldgelbe Ginkgos, Scheinbuchen und Eichen. Auf wegebgeleitende Bäume in Form von Alleen wurde zugunsten der großen parkartig zusammenhängenden Grünraumstruktur bewusst verzichtet. Die Bäume stehen stets in Gruppen. Die Südseiten der Gebäude werden nicht durch Baumreihen verschattet, was sich günstig auf den solaren Eintrag auswirkt. Die Straßenräume betten sich in das verwobene System der Wege und Plätze ganz selbstverständlich und lassen durch ihren großzügig, gebogenen Verlauf immer neue Blickbeziehungen zu. Das Parken geschieht für die Anwohner in Tiefgaragen und für Besucher auf den, dem Straßenraum zugeordneten Stellplätzen. Die Wege bilden mit ihren unterschiedlichen Breiten Hierarchien und Verbindungen zwischen den Zellen. Es entstehen im gesamten Areal extensivere und intensivere Nutzungsbereich die aus ökologischer Sicht auch unterschiedliche Vegetationsräume langfristig entstehen lassen. In den Rückzugsräumen kann der Grünraum wilder und den großen Gemeinschaftsräumen kultivierter gepflegt werden. Die privaten Gärten bilden Spielraum für individuelle Entfaltung. Dachwässer werden, wo es möglich ist, in Zisternen gesammelt und der Bewässerung der Grünräume zugeführt, Überschüsse werden versickert.

  • Ort:

    München

  • Auslober:

    Bayerische Bau und Immobilien Gruppe GmbH & Co.KG

  • mit:

    Marcel Meili, Markus Peter Architekten, Zürich / München

  • Zeitraum:

    2010

  • Platzierung:

    2. Preis

  • Bearbeitung:

    Regine Keller

  • 01-schwarzplan.jpg Schwarzplan
  • 02-grundstruktur.jpg Grundstruktur
  • 03-modell.jpg Modell
  • 04-modell.jpg Modell, Ausschnitt
  • 05-perspektive.jpg Perspektive
  • 06-lageplan.jpg Lageplan

Keller Damm Kollegen GmbH
Landschaftsarchitekten Stadtplaner
Prof. Regine Keller, Franz Damm

Lothstraße 19
80797 München

Tel. 089 248 83 83-0
Fax 089 248 83 83-99
info@keller-damm-kollegen.de

Geschäftsführer Regine Keller, Franz Damm
Amtsgericht München - HRB 193687

Alle Rechte vorbehalten
© 2018