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Wettbewerb Gleisharfe Neuaubing

Städtebaulicher und landschaftsplanerischer Ideenwettbewerb

Lage

Das neue Stadtquartier liegt im westlichen Teil des verdichteten Siedlungsraums der Stadt. Es ist umgeben von funktional, maßstäblich und typologisch sehr heterogenen Strukturen. In der nahen Nachbarschaft bestehen mit Neuaubing oder entstehen mit Freiham weitere verdichtete Räume im Stadtkörper. Diese werden als Dichtemodelle für das neue Quartier adaptiert. Der Ort der Gleisharfe wird als Stadtraum neu in das Bewusstsein der Stadt eingeführt. Das Ausgrenzende der bisherigen Nutzung als gefächerter Schienenkörper weicht dem neuen Einhüllen eines selbstständigen Raumgefüges im umgebenden Grün. Dichte Grünstrukturen und Biotopzonen im Osten und Nordwesten, die bestehende Bahnlinie im Norden sowie die breit gestaffelten denkmalgeschützten Hallen der zukünftigen Gewerbenutzung im Süden schaffen, zusammen mit den historischen „Eisenbahnerhäusern“ den Eindruck einer autonomen städtischen Einheit. Im Projekt bleibt diese spezifische Qualität des historischen Ortes als Teil des Phänomens „Eisenbahn“ spürbar.

Stadtraum

Der neu gestaltete John-Curr-Platz (Erfinder der Weiche) am Bahnhof Neuaubing schafft ein angemessenes Entree zu den umgebenden städtischen Funktion der Märkte, des Reisens, der bestehenden Quartieren Aubing, Neuaubing und des neu entstehenden Stadtteils des Wettbewerbsgebietes.
Der neu veröffentlichte Ort interpretiert bestehende räumliche Faktoren der Gleisharfe. Er schafft städtische Räume, die ihre Merkmale aus den abgeleiteten Qualitäten des Ortes erhalten. Dazu gehören das Tor als genau definierter Eingang, die begleitende und gleichzeitig abgrenzende Mauer, der sich aufweitende Raum vom Tor zu den Hallen, die den Ort seitlich begrenzenden Baumsäume und die Leitung der Bewegung entlang der Spuren des alten Gleiskörpers.
Die verkehrlichen Belange der näheren Umgebung schaffen einen definierten Punkt des Eintretens und des Verlassens in das neue Quartier. Diese funktionale Anforderung wird weiterhin durch das historische Tor der Gleisharfe im Nordwesten markiert. Geleitet von der nördlich gelegenen Mauer fächern sich die Stadträume des Quartiers in einer sehr eigenständigen Organisation an kaskadenförmig aufeinanderfolgenden Weichenräumen auf.
Durch das Aufnehmen der Richtungen der Male ergeben sich gekrümmte Räume die dem Quartier trotz seiner linearen Offenheit den Eindruck einer räumlichen Geschlossenheit verleihen. Die inneren Freiräume sind visuell abgeschlossen und gehen doch als fließendes Kontinuum ineinander über.
Sie bilden eine Raumharfe. Die Raumharfe mündet in einen verbindenden Hain entlang der bestehenden Hallen, der den beiden Nachbarschaften als kommunikativer Ort der Erholung und des Austauschs dient. Gleichzeitig stellt er einen wirksamen Puffer dar, um die zu erwartenden Schallemissionen der Gewerbenutzung im Süden zu absorbieren.

Gebäude

Innerhalb der Ordnung Raumharfe werden klare städtische Räume mit eindeutiger Adressbildung entlang der öffentlichen Straßen und Wege und damit auch eine gute Orientierbarkeit geschaffen. Der stadträumliche Eindruck der Raumharfe wird situativ durch Versprünge einzelner Baukörper, sowie durch angepasste Höhenentwicklungen der Gebäude präzisiert. Achtgeschossige Hochpunkte am Eingang des Quartiers, zum erweiterten Stadtraum des Baumhains, hin zu den historischen Hallen sowie als räumlich verbindender Punkt zu den bestehenden Bahnhäusern definieren markante Orte im Gefüge. Abgestuft dazu entwickeln sich im Inneren Fünf und Sechsgeschossige Gebäude, welche die Weichenräumen markieren. Dazwischen strecken sich als Regeltypologie viergeschossige Gebäude.
An den östlichen und nordwestlichen Rändern des Gefüges werden dreigeschossige Reihenhäuser als ergänzendes Angebot gesetzt. Verschiedene Typologien des Wohnens, Wohnungsgrößen, Entwicklungsgrößen (Teile einer Saite, ganze Saiten, mehrere Saiten) Entwicklungsmodelle (Bauträger, Genossenschaften, Baugruppen ) und die unterschiedlichen Fördermodelle (EOF, München Modell) können innerhalb der einzelnen Saiten in sinnvollen Kombinationen und Zuschnitten kombiniert werden. Im Norden der Raumharfe findet sich eine kleine Ladeneinheit als Café und formuliert einen belebten Platz als Entree des Wohngebiets. Die weiteren geforderten öffentliche Nutzungen der Kitas, liegen im Süden des Quartiers.
Die privaten Grünraume der Gebäude sind auf den einseitig orientierten eingeschossigen Tiefgaragen gelegen, die die geforderten Stellplätze aufnehmen. Die Zufahrten sind zu den Straßenräumen orientiert. Die Weichenräume bleiben damit frei von Fahrverkehr und nehmen lediglich einen Teil der geforderten Besucherstellplätze auf. Zwischen den Gebäuden ergeben sich mit Fahrbahnen belegte, belebtere Räume und ruhigere die von öffentlichem und privatem Grün sowie Fuß- und Radwegen geprägt sind.

Grünraum

Die übergeordnete räumliche Fassung wird von den bestehenden, waldartigen Gehölzbändern im Osten und Nordwesten gebildet. Ein Baumdach aus Kiefern und Eichen dominiert die südliche Grünverbindung und schließt den Raum. Gleichzeitig bildet der Baumhain den Übergang und die Verbindung zum Boulevard der Kunst und des Handwerks, der den gewerblich genutzten Hallen vorgelagert und den typischen Straßenspielen gewidmet ist.
Innerhalb des Quartiers prägen gebogene Baumreihen aus Kirsche, Vogelbeere, Elsbeere oder Zitter-Pappel das landschaftliche Erscheinungsbild und unterstreichen mit ihren konkaven und konvexen Raumfolgen die städtebauliche Struktur. Die Baumreihen überlagen sich mit dem südlichen Baumdach und werden durch bestehende und neue Einzelbäume bzw. kleinere Gruppen ergänzt.
Ein schmaler, leicht erhöht geführter Weg begrenzt die Biotop und Vernetzungszone und signalisiert den Schutzbedarf der angrenzenden Flächen. Auch die privaten Gartenbereiche lassen eine nord-südgerichtete Durchwegung zu und ermöglichen so alternative Wege in die öffentlichen Grünräume mit ihren Erholungs- und Spielbereichen. An deren Wegeverlauf angelagert, ermöglichen Gartenfelder die gärtnerische Betätigung auch unabhängig vom eignen Balkon und Terrasse.
Der öffentliche Straßenraum ist nicht nur der verkehrlichen Nutzung gewidmet. Aufweitungen, Nischen oder die Ausbildung eines kompletten Erschließungsangers erzeugen unterschiedliche Aufenthalts- und Spielräume.
Am John-Curr-Platz fordern die funktionalen Einschränkungen einer möglichen Bebauung, die durch die freizuhaltenden Sichtkegel der Bahn gegeben sind, ein prozesshaftes Vorgehen bei der Entwicklung des Platzes. Mit projezierten Entwicklungsmalen (Pflanzmulden, Fundamente....) werden die zu erwartenden verräumlichten Nutzungen vorab abgebildet und teilweise als Nutzungen gesetzt (Plan 1:500, Fahrradabstellplätze, Sitzbänke).
Im weiteren Verlauf der verkehrstechnischen Entwicklung kann die Überwachung von einem Teil des neu geschaffenen Gebäudes im Süden der Bahnlinie aus erfolgen.
Dann sind Fahrräder und Wartende überdacht und die Baumstruktur zwischen den geschützten Maulbeerbäumen im Osten und der bestehende Ahornboden im Westen des Platzes kann geschlossen werden. Vom John-Curr-Platz aus betritt man das neue Quartier.

Mobilität

Das Quartier verfügt mit dem S-Bahnhof Neuaubing, in der Nähe zu den Autobahnen A96 und A 99 über eine sehr gute regionale und überregionale Verkehrsanbindung. Die interne Erschließung erfolgt ausschließlich vom Norden her. Die private Papinstraße kann zu einem späteren Zeitpunkt als entlastende, zusätzliche Erschließung des Quartiers ergänzt werden.
Die Centa-Hafenbrädl-Straße wird lediglich zur Erschließung des Parkplatzes der ESV Sportanlage genutzt. Ein Kurzschluss Freihams mit dem neuen Wohngebiet wird ausgeschlossen.
Die Flächen für die verschiedenen Verkehrswege werden formal frei oszillierend zwischen die Baukörper eingeschrieben. Sie durchfließen das Gebiet vom Tor bis zum Baumhain und werden dort von einer umlaufenden Straßenschleife gefasst. Zwei Nord-Süd verlaufende öffentliche Straßen erschließen die Gebäude und die Stellplätze in den Tiefgaragen.
Befestigte Flächen auf beiden Seiten der Gebäude ermöglichen ein Anleitern der Seiten im Brandfall.
Der fußläufigen Vernetzung innerhalb des Quartiers, der Erschließung für den Radverkehr sowie der nahräumlichen Verbindung der verschiedenen Saiten untereinander und mit dem Baumhain wird besondere Bedeutung beigemessen. Bestehende Fahrradverbindungen werden an das Gebiet angeschlossen oder daran vorbeigeführt. Im Norden des Gebiets wird der bestehende Fahrradweg weitergeführt und mit den inneren Radwegen des Quartiers verknüpft. Die Radwege liegen überwiegend getrennt vom Straßenraum in den öffentlichen Grünräumen.

Energie

Durch die kompakte und dichte städtebauliche Setzung der Raumharfe wird der Wärmeverlust durch der Wohnbebauung minimiert. Zudem wird ist eine effiziente Verlegung des Versorgungsnetzes gewährleistet. Die Anordnung der einzelnen Nutzungen im städtebaulichen Entwurf lässt die Versorgung angepasst an die jeweiligen Bedürfnisse zu. Darüber hinaus ist ein Kerngedanke des energetischen Konzepts zur Wärmeversorgung des neuen Stadtteils — neben baulichen Wärmeschutz — die Nutzung umweltfreundlicher Erdwärme durch das nahegelegenen, Thermalheizwerk Freiham. Die Tiefengeothermie gewährleistet eine nahezu CO2-freie Wärmenutzung Bei der Gebietsgröße scheint es alternativ möglich die Versorgung über ein Blockheizkraftwerk mit Kraft-Wärmekopplung herzustellen.

Die polygonalen Seiten führen in den meisten Fällen zu einer Erhöhung des Südanteils der Gebäude. Die Gebäude/ Hochpunkte sind so angeordnet dass die Verschattung minimiert wird. Die Dächer sind als Flachdächer gedacht. Dies lässt eine mögliche intensive bzw. extensive Begrünung zu, aber auch die Nutzung von Photovoltaik.

  • Ort:

    München

  • Auslober:

    aurelis Real Estate GmbH & Co. KG

  • Architekt:

    Palais Mai Architekten, München

  • Zeitraum:

    2012

  • Platzierung:

    3. Preis

  • Bearbeitung:

    Franz Damm, Regine Keller

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Keller Damm Kollegen GmbH
Landschaftsarchitekten Stadtplaner
Prof. Regine Keller, Franz Damm

Lothstraße 19
80797 München

Tel. 089 248 83 83-0
Fax 089 248 83 83-99
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