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Archäopark Vogelherd

Neubau eines archäologischen Themenparks auf der Schwäbischen Alb

Für die Menschen des Aurignacien war die Beziehung zur Tierwelt von großer Bedeutung. Die Grundlage des Überlebens waren die genauen Kenntnisse und Physiognomie der Tiere. Besonders die Funde aus der Vogelherdhöhle und die Zeichnungen der Höhlen im Südwesten Frankreichs lassen auf eine kultische Verehrung der Tiere schließen. Im Archäopark können die Besucher die Lebenswelt unserer Ahnen und ihr besonderes Verhältnis zu den Tieren erkunden und mit eigenen Erlebnissen nachempfinden. Es gibt kein fertiges Bild der Tiere, Menschen und Landschaften des Aurignacien, sondern Spuren, Geräusche und schemenhafte Umrisse, die bei Besuchern aller Altersgruppen einen eigenen Eindruck dieser Zeit entstehen lassen.

In einem gläsernen Vorraum, noch vor Betreten des Gebäudes, öffnet sich dem Besucher der Ausblick auf die Ausstellung und das Gelände des Archäoparks. Auf einen Blick lassen sich die räumlichen Zusammenhänge erfassen. Zwischen dem Fuss des Vogelherdhügels und dem Betrachter befindet sich eine geschwungene mit Schotterrasen befestigte Fläche, die vor dem Gebäude des Besucherzentrums in einen kreisförmigen Platz mündet. Ein Rundweg, der zum Vogelherdhügel hin und wieder zurück zum Besucherzentrum führt, umfasst den Platz. An seinen nördlichen und südlichen Flanken steigt das Gelände sanft an und überdeckt, auf der Gegenseite des Höhlenausgangs den sichelförmigen Ausstellungsbereich. So ist das Gebäude lediglich mit seiner boden- und deckenbündigen gläsernen Fassade nach Westen als Bauwerk zu erkennen.

Kurz nach Verlassen des Gebäudes werden die Besucher durch verschiedene Geräusche in die Zeit der Mammutjäger zurückversetzt. Instinkte und Gefühle sowie die Neugier sollen geweckt werden. In die Umfassungswand des Platzes sind Richtlautsprecher, so genannte Audiobeams, eingebaut. Sie konzentrieren die Geräusche auf eine bestimmte Stelle. Auf das Hören sensibilisiert, wird die Aufmerksamkeit auf die Hörlöcher in der seitlichen Betonwand gelenkt. Sie fordern auf zum aktiven Lauschen und genauem Hinhören.

Entlang des Rundwegs tauchen in unregelmäßigen Abständen mit Fragen und Thesen beschriftete Holzbohlen auf. Das Spektrum der Fragen ist breit. Sie beziehen sich, im Gegensatz zu den konkreten Informationen im Inneren des Besucherzentrums, mehr auf die (noch) offenen Fragen der Paläontologie und beleuchten den Einfluss, den das Leben unserer Vorfahren noch heute auf uns hat. Erklärungen und Hinweise findet man links und rechts am Weg -analog dem Beeren suchen- in Form von beschrifteten schwarzen Kautschukblöcken. Der Rundweg aus wassergebundener Wegedecke wird im Bereich der Schutzfläche durch Aufschüttung der Tragschicht über dem gewachsenen Gelände hergestellt. Die Ränder des Weges werden nicht eingefasst, sodass diese verschwimmen und je nach Nutzungsgrad mit der Landschaft verschmelzen. Wegbegleitend werden alte Nutzpflanzen sowie wilde Gräser und Kräuter der Wiesen gezielt angepflanzt beziehungsweise ausgesät, um so dem Besucher eine Auswahl der wichtigsten Pflanzen dieser Zeit zu präsentieren.

Die Besucher treffen entlang des Rundwegs immer wieder auf Spuren von Tieren die in der Eiszeit in dieser Gegend gelebt haben (Mammut, Höhlenlöwe, Wollnashorn, Urpferd, Rentier, Wolf). Sie nähern sich, kreuzen und begleiten den Pfad ein Stückchen und verschwinden wieder.
Um die Tierspuren dauerhaft sichtbar zu machen und dabei die Wasserdurchlässigkeit zu erhalten, werden der normale Kalkbruch der wassergebundenen Decke zusätzlich mit einem geringen Anteil Zement vermischt. Der Besucher kann sich so über die Strecke des Weges - auf den Spuren seiner Vorfahren - als Fährtenleser üben.

Am Fuß der Vogelherdhöhle durchqueren die Besucher eine Herde Mammuts. Wie eine dreidimensionale Linienzeichnung, aus wenigen Drähten gebogen, vermitteln die Skulpturen einen Eindruck von der erstaunlichen Dimension und eine Vorstellung von der Gefahr die das Jagen dieser Tiere bedeutet haben muss. Am Wegesrand gibt es Informationen zum vermuteten Sozialverhalten der Mammuts, möglichen Jagdtechniken und dem verschiedenen Theorien über das Aussterben dieser beeindruckenden Tiere.

  • Ort:

    Niederstotzingen

  • Bauherr/ Auftraggeber:

    Gemeinde Niederstotzingen

  • Architekt:

    Ritter Jokisch Architektur Innenarchitektur München

  • Szenografie & Design:

    Lutzenberger & Lutzenberger, Bad Wörishofen

  • Wettbewerb:

    2011, 1. Preis

  • Planung und Ausführung:

    2011-12

  • Projektgröße:

    ca. 5,3 ha

  • Bearbeitung:

    Franz Damm, Diana Huß, Ralf Kuczera

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